Zwei Jahre, viel Wandel und neue Zeiten

Hallo,

lange ist es her, dass ich hier geschrieben habe. Insgesamt sind fast zwei Jahre vergangen. Ich erzähle euch in diesem Beitrag von dem Wandel und all dem, was mich in der Zeit bewegt hat.

Falls du den Anfang meiner Reise verpasst hast, kannst du ihn hier nachlesen.

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Anschluss

In Spanien angekommen, verbrachte ich die ersten Wochen mit den tollen Menschen, die ich da kürzlich kennengelernt hatte. Wir besuchen verschiedene Strände, spielen, tanzen und kochen zusammen. Wir erkunden Ortschaften und wachen meist über ein paar Tage hinweg an denselben Orten auf.

Die Zeit mit meiner damaligen Partnerin Tati wird für mich zu einer der intensivsten Zeiten unserer Partnerschaft. Nach all den Monaten, an denen wir uns nicht sahen, erwartete ich etwas mehr Nähe als tatsächlich vorhanden war. So ist das allerdings immer mit Erwartungen, werden sie nicht erfüllt, so werden wir enttäuscht. Meist täuschen wir uns selbst. Wir streiten viel und ich bewege mich in tiefen und finsteren Emotionen, die, wie ich gerade lerne, mich noch nicht losgelassen haben.

Die Gruppe trennt sich und Tati, zwei Freundinnen und ich fahren auf ein kleines Festival, die anderen nach Hause. Wir genießen im Rausch die Zeit und beim Tanzen vor der Anlage komme ich Mira näher. Wir spielen in der Bewegung, umkreisen uns und tauschen Blicke aus. Klar kann ich sagen, ich fühle mich von ihr angezogen, Mira, die Räubertochter.

Wir verlassen das Festival und begeben uns an einen kleinen See um uns auszuruhen. Schnell stellen wir fest, dass wir uns näher kennenlernen möchten und so bereden wir das mit Tati. Wenig überrascht gibt sie uns den Raum und fährt per Anhalter ins Beneficio. Da wollte sie ihren zweiten Partner besuchen und mit ihm zusammen ein Haus bauen. Somit passte das für alle sehr gut, wir verabschieden uns untereinander und Tati steigt in den blauen Van, der ins Bene fährt. Mira und ich begeben uns auf den Weg zurück nach Roche, dahin wo wir zuvor auch schon waren.

Vier Wochen voller Zuneigung

Ich erinnere mich gut an die ersten gemeinsamen vier Wochen, die ich mit Mira verbracht habe. In der Zeit verbringen wir viel Zeit geprägt von Humor, spielerischem Miteinander und vielen Zärtlichkeiten. Vor allem in den ersten neun Tagen sind wir uns sehr nah. Hier eine kleine Berührung, da ein heranziehen und zwischendrin heiße Küsse die uns noch näher kommen lassen. Wir genießen es und leben uns voll aus. Bei Spaziergängen über den endlosen Strand des Playa de la Barrosa sammeln wir Muscheln, sonnen uns und spielen mit Caido. Im Nahe gelegenen Roche kaufen wir unsere Lebensmittel und zaubern daraus leckeres Essen. Mira lernt von mir ein paar kleine Kniffe rund ums Kochen und beginnt mit Freude ihre ersten Speisen zu kreieren.

Zwischen gutem Essen und liebevoller Zeit spielen wir viele Brettspiele und würfeln, was das Zeug hält. Wir basteln uns unser eigenes Siedler von Catan aus Tetra-Packs und kreativem Reichtum, als Spielfiguren nehmen wir Muscheln, Steine und kleine Hölzer. Als wir Roche verlassen, besuchen wir Tarifa am südlichsten Zipfel Spaniens, werfen einen Blick auf Afrika und fahren dann weiter an einen Strand in der Nähe von La Alcaidesa. Dort treffen wir auf Freunde von mir, die ich ein Jahr zuvor in der Kommune Beneficio kennengelernt habe. Es sind die vorerst letzten Tage die wir gemeinsam verbringen. Wundervolle vier Wochen liegen hinter uns, Wochen die ich an die ich mich gern zurückerinnere. Ich bringe Mira nach Malaga, wir verabschieden uns und sie geht in die Flugzeughalle, der Abschied schmerzt.

Zeit für mich und der erste große Wandel

Mira sitzt im Flieger und ich fahre weiter, es wird Zeit Tati und Danny wiederzusehen. In Nerja mache ich Halt, um mich ein wenig zu sammeln bevor ich auf die beiden treffe. Ich beginne Mira sehr schnell zu vermissen. Alles, was ich allein mache, macht mir nun keine Freude mehr. Ich koche und esse unter Tränen, ich spaziere und fühle mich allein. Eine Woche verbringe ich in der Nähe der alten Zuckerfabrik bevor ich weiter fahre und mir einen Platz im Beneficio suche. Ich begrüße Tati und Danny mit Freude, merke aber auch schnell, dass ich noch immer Zeit für mich allein brauche. Direkt am ersten Abend möchte uns Danny etwas Zeit lassen und so verbringe ich ihn mit Tati. Gemeinsam sitzen wir im Van und bereden was so alles passiert ist. Wir beide spüren, dass es uns an gegenseitiger Anziehung fehlt, der Funke ist verschwunden. Wir reden über unsere gemeinsame Zeit, über das, was schön war und auch über das, was uns verletzt hat. Was bleibt und was immer war, ist ein freundschaftlich familiäres Miteinander. Wir beenden unsere Partnerschaft und in den nächsten Tagen reden wir darüber wie es weiter geht. Tati wird nicht wie geplant mit in die Schweiz zum Arbeiten kommen, sie möchte bei Danny bleiben, mit ihm das Haus aufbauen und ein freies Leben im Süden Spaniens genießen. Ich verstehe das und so beginnt eine Zeit für mich, in der ich allein weiterreisen werde.

Ruhe

Ich verbringe noch ein paar Wochen in der Kommune, schaue mir das Haus an und helfe ab und zu beim Bau. Irgendwann erreiche ich einen Zustand von Ruhe in dem mich Geschrei, Hunde und Partys innerhalb der Zeit dort gar nicht mehr stören. Dennoch wird es mir irgendwann zu viel mit all den verschiedenen Energien und ich entscheide mich dafür nach Cigarrones zu fahren. Cigi ist ein Flussbett, belebt von kleinen Kommunen und mitten in der kargen Natur. Der Weg an mein Ziel ist holprig, nur im Schritttempo über spitze Steine und durch den Fluss komme ich an meinen Zielort. Dort angekommen höre ich das erste Mal seit langem was Ruhe wirklich bedeutet. Ich höre nichts, nichts außer den Fluss Guadalfeo und den seichten Wind der durch den Eukalyptus weht.

Die folgenden Tage bringen mein Inneres zum Schweigen. Es scheint, als würde all die Last abfallen, die mir in der letzten Zeit auf den Schultern lag. Die Tage werden leicht und unbeschwert. Ich lerne Simon kennen, einen jungen Mann der sich ebenso auf der Reise befindet. Wir verbringen entspannte Tage, kochen zusammen, chillen zusammen und besuchen hin und wieder die Bar in einer der kleinen Kommunen. In der Zeit entsteht die virtuelle Tour, die auf meiner Startseite zu sehen ist. Schauts euch an und macht euch selbst ein Bild von dem wunderschönen Ort: Ab nach Cigarrones.

Kurze Zeit später fahre ich wieder ins Bene, Tati und Danny brauchen den Van für ein paar Tage. Freundschaftlich familiär kümmere ich mich in der Zeit um das Haus und die Welpen. Es ist etwas chaotisch da oben und so nehme ich mir die Zeit den Rohbau des Hauses etwas aufzuräumen, um so den beiden etwas Last zu nehmen und eine kleine Freude zu bereiten. Danach fahre ich mit zusammen mit Tom, zurück nach Cigarrones. Der Engländer muss mal raus aus der Kommune und so zeige ich ihm Cigi. Ein cooler Typ, den ich im späteren Verlauf meiner Reise wiedersehen werde. Schaut gerne auf seinem Youtube-Kanal vorbei: Sunflower´s Big Adventures

auf in die Schweiz

Die Reise in diesem Jahr nimmt ihr Ende und ich begebe mich auf den Weg in die Schweiz. Mit dabei habe ich Andy, einen Freund, der der Besitzer des höchstgelegenen Hauses im Beneficios ist. Er braucht ebenso wie ich Geld für dieses freie Leben und so machen wir uns auf den Weg.

Wir lesen zusammen die Erdbeeren, die es auf dem Biohof Maiacher gibt und helfen auch sonst rund um die Farm aus. Einen Monat verbringen wir zusammen bevor er in die Alm fährt, um Schafe zu hüten. Da die Arbeit nicht ausreicht, helfe ich noch bei anderen Bauern mit. Sechs Wochen stehe ich bei einem Bauern in Jegenstorf und helfe da bei der Ernte, beim Unkraut jäten und beim Pflanzen setzen aus. Auch auf dem Traktor beginne ich meine ersten Erfahrungen zu sammeln. Es ist eine familiäre Atmosphäre, jeden Morgen gibt´s frisches Brot und zum Mittag unglaublich leckeres Essen. Ich danke der Familie Studer für diese wundervolle Zeit.

neuer Arbeitsplatz und ein Wiedersehen

Anschließend wechsle ich zum Biohof Zaugg in Iffwil, dem Ort an dem ich nun wohl in den nächsten Jahren meine Brötchen verdienen werde. Hier arbeite ich hauptsächlich als Mechaniker und repariere und optimiere die Landmaschinen. Hin und wieder helfe ich auf dem Feld aus und auch rund um den Hof gehören Hausmeistertätigkeiten zu meiner Beschäftigung.

Ein paar Monate sind vergangen seitdem wir uns gesehen haben. In der Zeit haben wir hin und wieder geschrieben, telefoniert und uns ineinander verliebt. Mira kommt in die Schweiz, um ebenso ein bisschen Geld zu verdienen. Mira kommt in die Schweiz, juhu, ich bin so glücklich darüber. Ihr Bus kommt in Bern an, eine lange Umarmung und intensive Küsse später fahren wir auf den Hof. Sie hilft auf dem Feld aus und ich gehe weiter meinen Tätigkeiten in der Werkstatt nach. Nach der Arbeit liegen wir gemeinsam in unserem kleinen Garten und genießen die letzten Sonnenstrahlen bevor wir uns dem nächtlichen Kampf mit den Mücken hingeben.

Ich mag den Biohof sehr, die Leute sind bunt gemischt und ein jeder hat seine Qualitäten, Kinder und Katzen springen über den Hof und es gibt alles was das Herz begehrt. Als ich den bunten Haufen verlasse, steht fest: Ich komme wieder.

Heimat

Die Arbeit ist getan und das Konto ist gefüllt, also fahren wir nach Hause. Nach einem kurzen Stopp bei meiner Schwester im Süden Deutschlands kommen wir pünktlich zum Geburtstag Mira´s kleiner Schwester an. Wir backen einen bunten Kuchen und nehmen teil am bunten Treiben auf dem Eselhof Meissen. Ich sehe das erste Mal wie Mira wohnt und das gleicht einer kreativen Kunstschmiede, ich fühle mich sofort wohl. Eine Woche bleibe ich noch da, bevor ich zu meinen Eltern fahre.

Ich besuche Freunde und genieße die Zeit mit meiner Familie. Vor allem mit meinem mittlerweile sehr gutem Freund Alex entsteht in dieser Zeit eine tiefe Verbindung. Er ist einer der Wenigen, die sich über meine Reisezeit regelmäßig melden, das weiß ich sehr zu schätzen. Bei meinen Eltern beginne ich im November meinen neuen Van auszubauen. Es wird langsam kalt und so habe ich nicht mehr allzu viel Zeit bevor mir der Winter kalte Glieder beschert. Gut geplant beginnt der Ausbau, drei Wochen später ist er auch schon geschafft und der nächste große Wandel ist vollzogen. Den Prozess könnt ihr hier betrachten: Van-Ausbau. Anfang Dezember fahre ich nochmal zu Mira und verbringe eine Woche bei ihr. Für sie ist es eine arbeitsreiche Zeit auf dem Weihnachtsmarkt und so bleibt uns doch recht wenig Zeit für uns. Wir machen das Beste daraus und kurz darauf befinde ich mich auf dem Weg in den Süden.

Spanien, eine Reise allein und doch zu zweit

Ich fahre schnell in den Süden, zu einem um der Kälte zu weichen und zum anderen um mich mit einer Bekanntschaft von Instagram zu treffen. Ich habe mit Charlotte ein paar mal geschrieben, wir kannten uns nicht und dennoch dachten wir daran, uns einfach mal so zu treffen. Klar, wildfremde Menschen aus dem Internet zu treffen ist doch völlig normal. Sie schlägt ein besetztes Haus, in dem Freunde von ihr wohnen vor und so fahre ich nach Reus. Gleich am ersten Abend merken wir, dass wir zusammen eine tiefe Verbindung aufbauen werden. Die Gespräche gehen in alle Substanz und wir beginnen uns zu mögen. Nach einer Woche fahren wir weiter in den Süden und ich zeige Charlotte und ihrer Hündin Cahili Orte, die ich bereits kenne.

Eine der schönen ersten gemeinsamen Erinnerungen halte ich von den heißen Quellen in Zujar im Herzen. Es ist einen Tag vor Heiligabend und sie ist traurig. Es ist ihre erste Reise und sie verbringt ihr erstes Weihnachten ohne ihre Familie. So schlage ich vor an Heiligabend mit ihr gemeinsam zu basteln und ein schönes Essen zu bereiten. Sterne aus Stöckchen, ein Herz aus Bastelpapier und sogar ein Weihnachtsbaum entsteht. Am Abend essen wir ein leckeres gefülltes Brot und trinken ein Glas Wein. Die schönste Erinnerung, die ich daran habe ist ihr Lächeln, die Trauer war zumindest für diesen Moment vergangen.

der Süden ruft

Nachdem wir genug vom warmen Naturpool und den Temperaturen um die Null Grad hatten fahren wir weiter. Zuerst besuche ich einen Freund im Bene und danach fahren wir weiter ins nahegelegene Cigarrones. Ich bin wieder am Ort der Ruhe. Wie ihr lesen könnt, fahre ich oft an bekannte Orte. Es gibt mir im doch recht chaotischen Sein ein Fünkchen Sicherheit. Kurz danach fahren wir weiter in die Nähe von Malaga, nach Fuengirola. Da angekommen treffen wir auf Freunde von Charlotte und feiern mit ihnen zusammen Silvester.

Wir fahren weiter nach Roche und verbringen hier die vorerst letzten Wochen zu zweit. Unsere Zeit war geprägt von vielen Gesprächen und Spaziergängen, viel Lachen und Weinen, viel nach innen und nach außen gehen, viel gutem Essen und hin und wieder auch von ein paar Bierchen. In der Zeit sind wir eng aneinander gewachsen und ich bin sehr froh Charlotte als gute Freundin und als einen Safe Space für mich in meinem Leben zu haben. Wir verabschieden uns und sie fährt allein weiter während ich noch ein wenig bleibe.

Portugal ich komme

Nachdem ich noch ein paar Wochen allein an dem Strand verbracht habe fahre ich so langsam nach Portugal. Ich mache kurz vor Portugal Halt und dann kurz nach der Grenze. In Portugal angekommen stelle ich fest, dass mein Geld alle ist. Der Ausbau und auch mein Lebensstil haben zu viel Geld verschlungen.

Wer wäre man, wenn man seine Familie nicht hätte? Ich frage meine Schwester, ob sie mir helfen kann und sie verweist mich auf ihren Partner. Sven erklärt sich bereit mir zu helfen und leiht mir ausreichend Geld, sodass ich meine Reise fortsetzen kann. Ich danke dir dafür!

Es geht weiter und ich fahre ans Barranco, eine Bucht in der Nähe von Sagres, eine Bucht die mir von vor zwei Jahren schon bekannt war. Dort werde ich freundlich von meinen neuen Nachbarn begrüßt und tauche sofort in das mir bekannte Gefühl dieses Ortes ein. Hier kommt man zusammen, die Diversität dieses Ortes macht ihn so besonders. Ich lerne sehr viele neue Gesichter kennen und verbringe Zeit mit altbekannten. Zwischen Lagerfeuern am Abend und entspannter Zeit am Tage verbringe ich hier viel Zeit mit mir allein. Ich ziehe mich etwas zurück, sammle meine Gedanken und meine Emotionen werden reflektiert. Nicht lange hin und ich fahre mal kurz nach Lissabon.

gemeinsame Zeit und ein verlorener Schlüssel

Nach Lissabon fahre ich eigentlich nur aus einem Grund, um Mira einzuladen. Wir warten im Foyer als sie die Rampe hinunterläuft und wir uns kurz danach wieder in die Arme fallen. Unweit von Lissabon rennt Mira, aus dem kalten Deutschland kommend über den Strand und freut sich in Portugal zu sein. Es ist schön ihre Lebendigkeit erneut zu spüren, sie hält mich jung. Wir fahren wieder ans Barranco, diesen Ort muss sie sehen, denke ich mir. Weiter geht´s auf eine Party und ich tanze fast die ganze Nacht durch, Mira ist müde und schläft. Danach begeben wir uns wieder ans Barranco und merken aber schnell, dass wir eher unsere Ruhe wollen. Es gibt noch einen anderen Platz, dieser bedeutet Offroad und dann steht man oben auf den Klippen.

Gesagt, getan, wir wagen es und ich quäle meinen kleinen Bus die mehr als untaugliche Strecke hinauf. Oben angekommen stehen wir direkt an den Klippen und eine atemberaubende Aussicht begleitet uns nun jeden Tag. Hin und wieder gehen wir nach unten, die meiste Zeit jedoch verbringen wir zu zweit. Wir spielen, kuscheln, spazieren und kochen gemeinsam und dann passiert es. Ich verliere meinen Autoschlüssel, zum Glück war das Auto noch nicht verschlossen. Meter für Meter suche ich ab, sogar mit einem geborgtem Metalldetektor, keine Chance, der Schlüssel ist weg. Jetzt beginnt der Abschnitt Werkstatt, das war dann nicht mehr so schön.

Als uns der Abschleppwagen zum Mechaniker brachte hatte ich noch keine Ahnung was das bedeuten wird. Alle Schlösser müssen ausgetauscht werden, ein Vorhaben, welches gar nicht so leicht ist. Die Mechaniker geben ihr Bestes und haben schwer zu kämpfen die Schlösser zu tauschen. Dennoch schaffen sie es, insgesamt stehen wir drei Wochen der wenigen Zeit die wir zusammen haben am Straßenrand neben der Werkstatt.

Als das endlich getan war fahren wir wieder an den Strand und verbringen da noch die letzten gemeinsamen Tage. Hin und wieder merken wir beide, dass die unbeschwerte gemeinsame Zeit sich verflüchtigt. Ihre Urlaubszeit ist bald vorbei und so fahren wir nach Odemira, von da aus wird sie in den Bus einsteigen und ihren Weg nach Hause antreten. Ein erneuter Abschied, das was mich am Reisen am meisten schmerzt, die Abschiede, immer wieder Abschiede.

Charlotte und das Rainbow

Mein Weg führt mich zurück ans Barranco, der Ort ist einfach zu gemütlich um da nicht zu sein. Kurz nachdem ich mich da eingenistet habe kommt Charlotte mit Freunden auf den Parkplatz gefahren, nach vielen Wochen sehen wir uns wieder. Sofort beginnen wir in eine vertraute Gesprächstiefe einzutauchen. Die folgenden Wochen zeichnen ein Bild voller Liebe und Zusammenhalt zwischen allen lieben Menschen in dieser wundervollen Bucht. Wir kochen gemeinsam, verbringen Tage am Strand und genießen Abende am Feuer.

Das portugiesische Rainbow beginnt bald und wir entscheiden uns daran teilzunehmen. Für einen kurzen Moment teilt sich die Gruppe und Charlotte und ich sind erstmal erneut zu zweit unterwegs, wir haben es vermisst. Wir fahren in den Norden, das Rainbow findet in der Nähe von Beira statt. Auf dem Weg zum Rainbow Gathering schrotte ich noch einen Reifen von mir, als wäre der Schlüssel nicht genug. Dank ihrer Hilfe finde ich etwas zur Ruhe, sie ist eine großartige Unterstützung. Etwas was ich sehr an uns schätze, ist der gegenseitige Support, den wir uns geben.

Angekommen am Rainbow beginnt die Ruhe. Es ist ein magischer Ort an dem viel Frieden den Tag begleitet. Wir verbringen einen Monat da und verteilen uns auf die verschiedenen Menschen. Ich treffe auf Noa und Linda, zwei wundervolle Menschen die ich im vergangenen Winter, in Deutschland auf dem Weihnachtsmarkt kennengelernt habe. Wir verbringen viel Zeit zusammen und es beginnt eine Zeit voller in Liebe getauchter Freundschaft. Ich fülle meine Tage mit viel meditativer Zeit, Gesprächen und fern von Technik, ab und zu besuche ich einen angebotenen Workshop. Viele neue Verbindungen entstehen und auch unerwartetes passiert. Ich beginne sehr stark die Energien von den Menschen um mich herum zu spüren. Das passiert wohl, wenn man sehr lange seine Zeit in der Natur verbringt, sich gesund ernährt und viel Ruhe hat. Es ist etwas, was mich unerwartet trifft und mich noch lange begleiten wird. Irgendwann wird mir dann doch alles etwas zu viel und ich ziehe mich auf den Parkplatz zurück. Auch da halten sich viele Menschen auf, mit denen man eine schöne Zeit verbringen kann.

Schon lange überlege ich mich erneut tätowieren zu lassen und ich komme in Verbindung mit Tamara. Sie setzt meine Überlegung um und tätowiert meinen Kopf. Es symbolisiert die Verbindung zu den Wurzeln des Lebens, die ich seit Beginn meiner Reise immer mehr lebe. Eine weitere Bedeutung ist die Verbindung zur weiblichen und männlichen Seite die jeder in sich trägt.

Es steht viel in Veränderung, in mir und um mich. Veränderung, die einzig wahre Konstante die es in diesem Universum gibt. In einem der Telefonate mit Mira reden wir darüber und sie spricht eine Veränderung in ihrem Leben an. Sie kann das mit der Beziehung zurzeit nicht mehr und so kommt es, dass sie unsere Beziehung beendet. Das erste Mal in meinem Leben wirft mich das nicht aus der Bahn, wenn eine Partnerin die ich liebe einen Schlussstrich zieht. Ich merke wie ich das Prinzip der Veränderung verinnerlicht habe. Schließt sich eine Tür, öffnen sich viele andere. Ich wünsche dir alles Gute du schöner Mensch, es war ein wundervolles Jahr.

Meine Zeit auf dieser Reise endet nun langsam und so heißt es wieder Abschied nehmen. Abschied von all den lieben Menschen, der heilsamen Zeit und der Ruhe die mir stets ein Begleiter war. Ich mache mich zusammen mit Alina und ihrer Tochter Merle auf den Weg in die Schweiz. In Frankreich trennen wir uns, sie fährt nach Deutschland und ich fahre auf den Biohof auf dem ich schon letztes Jahr meine Zeit verbracht habe.

Biohof Zaugg

Es ist Ende Mai als ich auf den Biohof rolle. Elf Stunden Fahrt liegen hinter mir und ich begrüße Philipp, meinen Chef. Am nächsten Tag schlafe ich noch etwas aus bevor ich meine bereits vermisste Werkstatt betrete. Ich brauche ein wenig Zeit bevor ich mich wieder eingearbeitet habe und blühe dann darin wieder voll auf. Viel Arbeit, viele Maschinen zum Reparieren und Umbauen liegen vor mir, ich freue mich darauf. Es ist schön wieder hier zu sein und altbekannte Gesichter wiederzusehen. Dieser Ort wächst mir immer mehr ans Herz. Ich habe einen wunderschönen Platz im Grünen, auf dem ich in meinem Van leben kann. Es gibt super leckeres Gemüse und jeden Freitag Pizza und frisches Brot.

Es gibt Veranstaltungen im großen Saal, allerhand Natur, einen Wald in unmittelbarer Nähe und die Berge in der Ferne. Ich bekomme immer mehr das Gefühl nach Heimat, wenn ich mich an diesen Ort begebe. Die meiste meiner Freizeit verbringe ich allein. Dieses Jahr kam mich Anna mit ihren 3 Hunden und ihrer Katze besuchen Sie ist eine Freundin, die ich kurz auf dem Rainbow kennengelernt habe. Wir reden sehr viel miteinander, lachen und liegen gemeinsam an den Abenden zusammen. Schon bald fährt sie wieder und ich verbringe die Zeit vorerst wieder mit mir selbst.

Ich reflektiere viel und spiele mein Spiel des Lebens, ein Spiel in dem es mir gelingt so ziemlich immer glücklich zu sein. Das geht genau so lange bis ich auf eine liebe Frau treffe, wir verbringen ein wenig Zeit miteinander und für sie bin ich einfach unnahbar. Ich bin nicht spürbar und selbst merke ich gar, nicht woran das liegt. Als wir das herausfinden fühle ich mich unsicher und glücklich zugleich. Ich verstehe erst nicht, was das für ein Gefühl ist bis mir ein Satz nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich kann jetzt aufhören stark zu sein, ich kann einfach aufhören stark zu sein. Seit dem funktioniert mein Spiel nicht mehr, auf einmal lasse ich wieder alle Emotionen zu und scheinbar macht mich das einfach gesagt zu einem Menschen. Ich danke für diese Begegnung und bin gespannt was sich aus unserer Zeit entwickelt. Wir stehen immer noch in engem Kontakt und treffen uns für gemeinsame Gespräche auf Skype, ich mag sie und freue mich sie bald wiederzusehen.

Nach knapp vier Monaten endet nun meine Zeit auf dem Bauernhof und ich verabschiede mich erneut bei lieben Menschen. Als ich abfahre, überkommt mich ein Bauchgefühl, eines was mir sagt es sein nicht richtig zu fahren. Es ist der Moment, in dem ich realisiere, dass mir das Leben auf dem Hof sehr guttut. Es ist eine kleine Familie, die mir ans Herz gewachsen ist und ich freue mich auf das nächste Mal.

Wie geht´s weiter?

Nun habe ich von meinen letzten zwei Jahren berichtet. Für mich war das Schreiben ein wahres Auf und Ab der Emotionen. So viel ist passiert, mehr als dass ich es hier aufschreiben könnte. Ich bemühe mich öfter von mir hören zu lassen und wünsche dir bis dahin alles Gute.

Danke für dein Interesse und bis zum nächsten Mal.